Gedankenaustausch zwischen der ostholsteinischen CDU-Spitze und Scandlines

22.10.2008

Weit über zwei Stunden nahmen sich die Gesprächsteilnehmer Zeit, um intensiv die Problem- und Aktionsfelder der Reederei Scandlines zu erörtern. So fand das Gespräch zwischen dem Leiter der Konzern-kommunikation Frank-Michael Havemann gemeinsam mit dem CDU Kreisvorsitzenden und Bundestagskandidaten Ingo Gädechens, dem örtlichen Landtagsabgeordneten Klaus Klinckhamer und dem Vorsitzender der CDU Kreistagsfraktion Ulrich Rüder in vertrauensvoller Atmosphäre statt

Sorge bereitete allen Gesprächsteilnehmern die dramatische Situation der Weltwirtschaft. Die daraus resultierenden Folgen könne zur Zeit noch keiner im vollen Umfang einschätzen. Ungewöhnlich klang in den Ohren der CDU Politiker die Mitteilung, dass man nach vielen Jahren der Steigerungsraten auf der Route Puttgarden-Rödby im laufenden Geschäftsjahr leichte Einbußen habe hinnehmen müssen. Die Jahresauslastung der Schiffe auf der Route zwischen Fehmarn und Dänemark liegt bei 40 Prozent und offenbart, das die Kapazitäten längst noch nicht ausgeschöpft sind. Selbst in den Sommermonaten der Hauptsaison 2008 gab es keinerlei nennenswerte Wartezeiten. Bevor die aktuelle Situation im Zusammenhang mit dem Bau einer festen Fehmarn-Beltquerung erörtert wurde, benannte der Vertreter der Reederei Scandlines ein ganz anderes Problemfeld.

Vorweg wurden die erheblichen Anstrengungen der Reederei im Bereich Umweltschutz und bei der Minimierung der Abgas- und Schadstoffeinträge erläutert. Darüber hinaus wurden der Seeschiffahrt zum Schutz des Klimas und der Verringerung von Emissionen - in Absprache mit der IMO (International Maritime Organisation) - weitergehende gesetzliche Einschränkungen auferlegt. So soll die Schifffahrt im küstennahen Bereich den sonst üblichen 1,5 prozentigen Schwefelanteil bis zum Jahr 2015 auf 0,1 Prozent reduzieren. Eine in Aussicht genommene Reduzierung auf 0,1 % der Schwefelanteile müsse aber dahingehend Sorge bereiten, da dieser Wert nur durch ein Destillat bzw. leichtes Dieselöl zu erreichen sein wird. Fraglich seien auch die Auswirkungen beim Preisgefüge, denn ein viel höherer Bedarf an Dieselkraftstoffen wird automatisch zu erheblichen Preissteigerungen führen, die wahrscheinlich auch an den Zapfsäulen der Tankstellen durchschlagen könnten. Als besonders problematisch wird in diesem Zusammenhang aber eine Rückverlagerung von Transporten von See auf die Strasse angesehen. Dadurch würde sich die nationale und europäische Verkehrspolitik völlig umdrehen.

Die CDU Politiker versprachen sich diesbezüglich mit dem verkehrspolitischen Sprecher im EU Parlament und dem schleswig-holsteinischen Europaabgeordneten Reimer Böge in Verbindung zu setzen.

Im Gegensatz zur SPD Kreisvorsitzenden Poersch, die vor einiger Zeit die Öffnung des Hafens Puttgarden für eine weitere Reederei forderte - stieß dies Ansinnen bei dem CDU Kreisvorsitzenden Gädechens auf Ablehnung. "Zunächst sei die kartell-gerichtliche Auseinandersetzung abzuwarten," so Gädechens, der auch bei den Arbeitsplätzen lediglich eine Verschiebung aber keinerlei Vermehrung erkennen konnte.

Einvernehmen erzielte man bei der Feststellung, das der Staatsvertrag zum Bau einer Fehmarn-Beltquerung noch parlamentarische Hürden zu nehmen hätte. Die erkennbare Absicht der Koalitionäre in Berlin, eine Ratifizierung noch vor der Bundestagswahl vorzunehmen, könnte durch mannigfaltige Problemstellungen zum scheitern verurteilt sein. 3Gespannt wartet man auf die 1. Lesung die nach dem bisherigen Zeitplan sicherlich erst im Februar/März 2009 stattfinden kann.

Preissteigerungen bei den geschätzten Baukosten im erheblichen Ausmaß und das unsichere Umfeld in der Finanzwelt könnten das Brückenprojekt in weite Ferne rücken. Schon jetzt - so der Vertreter der Reederei - rechne man realistisch wenn überhaupt nicht mit einem Baubeginn vor dem Jahr 2012 und somit erst mit einer möglichen Fertigstellung im Jahr 2020.

Einig war man sich in der Gesprächsrunde, dass sich die Region auf jede Situation einstellen muss. Gädechens betonte abschließend, die CDU in Ostholstein sei auf dem richtigen Weg, wenn man sich weiterhin für die Umsetzung der Forderungskataloge beim möglichen Bau einer Beltquerung stark mache, als auch Zenarien entwickelt, was passiert, wenn sich das Projekt zeitlich verschiebt oder aufgrund exorbitant getiegener Baukosten und unsicherer Finanzmärkte von den Dänen nicht realisiert wird.